Das Mode-Mosaik Teil II: Ein Abstecher gegen den Strom

Man könnte meinen, die Zeit zwischen den einzelnen Modenschauen sei unspektakulär oder gar langweilig. Was sollte es denn bitte auch jenseits des Laufstegs geben, außer Hände voller Drinks und Goodie Bags!?

Die Antwort lautet: wenn du Glück hast und eine stilvolle Bloggerin vor die Linse bekommst, könnte sie sich im Laufe des Gesprächs als eine Modedesignerin entpuppen. Genauer gesagt als eine, die Gefallen daran findet Sorbisch-Wendische Trachten immer wieder aufs Neue modern zu interpretieren.

Bitte einmal sämtliche knallpinke Lavera-Scheinwerfer auf Sarah Gwiszcz richten!

Sarah Gwiszcz

Neugierig?

War ich auch.
Denn abgesehen von Schuhen und einer H&M-Jacke stammte ihr gesamtes Outfit aus der aktuellen Kollektion ihres Labels Wurlawy. Der Name beschreibt eine Sagenfigur aus dem Spreewald, welche den Spinnerinnen erscheinen soll, die bis spät am Abend ihrer Arbeit nachgehen. Wenn sie die Aufgabe der Wurlawy nicht erfüllen können, so sind sie dem Tode geweiht. Dieser angenehme Gedanke der Todesdrohungen zieht sich durch sämtliche mir bekannte Spreewaldsagen. Ich habe sogar ein Mal vom Wirbelwind-Männchen geträumt. Doch genug davon, ich schweife ab!

Spreewald. Sorben. Wenden. Lübbenau. Lehde. Vor ein paar Jahren machte ich Urlaub im Spreewald und nun kamen mir die einprägsamsten Erinnerungen wieder ins Gedächtnis. Ich dachte an die wunderschöne Natur, Trachten mit voluminösen Kopftüchern, allerlei Sagengestalten, Kirsch-Schokoladen-Marmelade und natürlich an diese unumgänglichen Schwärme von Mücken.

SpreewaldTrachtenAuch wenn ich mich mit Folklore nicht besonders gut auskenne, haben mir die Spreewaldtrachten immer sehr gut gefallen. Mich stört an traditioneller Kleidung, dass sie meist recht eintönig wirkt. Natürlich ist diese Einheitlichkeit, die Wiederholung bestimmter charakteristischer Details der Sinn des Ganzen. Doch manche Trachten, wie eben jene Südbrandenburgischen, wirken dann doch recht variabel und noch dazu wirklich hübsch!

Sarah stammt aus dieser Gegend und lebt auch derzeit in Lübbenau, wo sie sich wie gesagt mit der typischen Sorbisch-Wendischen Trachtenmode auseinandersetzt und sie jede Saison neuartig in ihren Kreationen auslebt. Dabei orientiert sie sich neben den Schnitten, auch an Techniken: der Blaudruck ist ein typisches Handwerk dieser Region und wird von der studierten Designerin (AMD) selbst angewandt.

Ich habe mir mal ihre aktuellen Modelle angeschaut und schon das ein oder andere Lieblingsteil entdeckt. (Etsy.de)

Allein schon dieser Rock (beziehungsweise diese Zierschürze -hört,hört) ist doch genial!

Wurlawy 2015

Der klassische Schnitt wird von einem Muster durchzogen, mit welchem man absolut nicht “gerechnet” hätte und welches mir persönlich sehr gut gefällt. Und Irgendwie harmoniert das Ganze auch noch miteinander… hach, bin ganz hin und weg.

In dem Heimatmuseum sah ich damals auch traditionelle Kleider, welche an die derzeitige Mode angelehnt waren. Wunderschön.

SpreewaldTrachtenMan bedenke die ähnliche Vorgehensweise, nur eben mit völlig anderen Ergebnissen als bei Sarah.

Auf ihrem Blog Zieh dir was an  berichtet sie jedoch nicht nur von ihrer eigenen Mode, sondern auch unter anderem von Erlebnissen der Fashion Week und allerlei Hintergründen aus ihrer Heimat.

Sarah Gwiszcz ist nicht nur eine sympathische Person, sondern noch dazu eine talentierte Jungdesignerin, welche es trotz eines ziemlich spezifischen Stils immer wieder schafft, neuartige und individuelle Schnitte zu erstellen.

Chapeau!

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